Fechten ist in erster Linie eine Kampfsportart, die sich aus einer Kampftechnik heraus entwickelt hat. Vor der Etablierung als Sportart war die Austragungsform als Duell, weniger auch als kriegerischer Kampf, weit verbreitet. Die historischen Ursprünge gehen auf eine Verfeinerung der Waffen und Bewegungsabläufe gegenüber Schwert- und Säbelkämpfen zurück.

Heute wird mit Fechten überwiegend das Sportfechten (dieser Artikel) bezeichnet, gefochten wird mit Florett, Degen und Säbel. Theaterfechten und das studentische Mensurfechten werden ebenfalls mit Klingenwaffen ausgeführt. Insbesondere das Theaterfechten entspricht dem Fechten wie man es aus Unterhaltungsfilmen kennt.

Weiterhin gibt es Kendo, auch Stockfechten genannt; Boxen wird auch als Faustfechten bezeichnet.

Der Fechtsport ist eine olympische Disziplin. Die Sprache des Fechtens ist französisch.

 

Geschichte des Fechtens, Merkmale des Fechtsports

Fechten gehört neben Boxen und Ringen zu den frühesten Zweikampf-Wettbewerben der Menschen und ging aus dem kriegerischen Fechten mit dem Schwert als Trainings- oder Spielform hervor. Eine Art sportliches Fechten betrieb man schon sehr früh in Ostasien mit blanken Waffen und in Afrika und Japan mit Stöcken. Die Antike kannte Fechtschulen, und im Römischen Reich des Augustus liebte die Jugend das Schaufechten.

Ursprünglich ist Fechten ein bewaffneter Kampf von meist zwei Personen, bei dem Blankwaffen mit relativ langen Klingen und mit einem Handschutz verwendet werden. Diese können so geführt werden, dass die Angriffe des einen Gegners durch den anderen Gegner mit der Klinge bzw. an der durch Klinge und Handschutz gebildeten konkaven Form abgefangen werden. Beim Fechten kommt es also zum direkten Kontakt der eingesetzten Waffen, anders als beispielsweise beim Einsatz von Messern oder Dolchen bei denen Ausweichen oder der Griff ans Handgelenk zur Verteidigung eingesetzt werden, oder beim mittelalterlichen Schwertkampf, bei dem die Schläge in der Regel mit einem Schild pariert wurden.

Mit der Verbreitung des Schießpulvers im ausgehenden Mittelalter, dem Erstarken der Infanterie, Bogen- und Armbrust-Schützen verlor der gepanzerte Ritter seine Bedeutung. Das Schwert wurde nun vorwiegend gegen leicht oder komplett ungerüstete Gegner verwendet, und es kam das Fechten mit leichten Waffen wie dem Rapier auf, für das es ab 1410 in Italien einheitliche Regeln und Lehrbücher gab. Da das Rapier nicht mehr von Rittern, sondern von Bürgern geführt wurde, entwickelte sich der Umgang damit zum ersten "Breitensport". Von Italien ausgehend erlebte dann das Rapierfechten in Frankreich seine erste Blütezeit, Gesichtsmasken machten es gefahrloser. 1570 erfand der Franzose Henri Saint Didier die meisten Fechter-Fachausdrücke, die auch heute noch verwendet werden.

In Deutschland, das sich mit den Italienern um die Urheberschaft des sportlichen Fechtens streitet, wurde es vor allem an den Universitäten betrieben, verlor aber durch die studentische Mensur (blutige "Hiebe") seinen sportlichen Charakter. Eine Förderung erfuhr das Fechten dann wieder durch die Turnerbewegung im 19. Jahrhundert. 1862 entstand der erste Fechtklub in Hannover, 1896 fanden die ersten Meisterschaften statt.

Theaterfechten oder auch Bühnenfechten ist am besten als Choreographie zu bezeichnen. Hierbei ist das Hauptziel einen optisch eindrucksvollen Kampf darzustellen. Dabei wird neben modernen Waffen auch mit historischen Fechtwaffen gefochten, zum Beispiel Langstab, Rapier und Dolch.

Heutzutage ist Sportfechten ein Kampfsport, bei dem zwei Gegner versuchen, sich gegenseitig mit einer Stoß- oder Hiebwaffe zu treffen. Die im Wettkampf zum Einsatz kommenden Waffen sind das Florett, der Degen und der Säbel. Florett und Degen sind reine Stoßwaffen, der Säbel ist eine Hieb- und Stoßwaffe. Es wird auf einem stegartigen (lang und schmal) Boden, der Fechtbahn (frz.: Planche) gefochten. Je nach verwendeter Waffe zählen Berührungen in bestimmten Regionen am Körper des Gegners als Treffer; diese werden im Wettkampf heute mit einer elektrischen Trefferanzeige erfasst. Sieger ist, wer zuerst eine bestimmte Anzahl von Treffern am Gegner gesetzt hat.

Fechten als olympische Disziplin

Fechten zählt zu den olympischen "Gründungs-Sportarten" von Athen 1896. In Athen standen drei Wettbewerbe auf dem Programm: Säbel, Florett und Florett für Fechtmeister. Das Degenfechten kam in Paris 1900 dazu, seit Antwerpen 1920 fechten die Männer die heute noch üblichen Wettbewerbe mit Florett, Degen und Säbel als Einzel und in der Mannschaft.

Ebenfalls in Antwerpen feierten die Fechterinnen ihren olympischen Durchbruch. Erstmals durften sie, aber nur im Florett-Einzel, um Medaillen kämpfen. In Rom 1960 kam ihr Mannschaftstitel im Florett hinzu, und in Atlanta 1996 traten die Frauen auch erstmals mit dem Degen (Einzel und Mannschaft) an. Schließlich wurde in Athen 2004 auch das Säbelfechten der Frauen als sechste Einzeldisziplin ins Olympische Programm aufgenommen. Als Ausgleich für die Aufnahme des Frauen-Säbel (nur Einzel) wird bei den Olympischen Sommerspielen 2004 der Wettbewerb im Damen-Florett (Mannschaft) ausgesetzt, so dass insgesamt 10 Wettkämpfe ausgetragen werden. Bei zukünftigen olympischen Wettbewerben sollen jeweils andere Wettkämpfe pausieren.

Gegenwärtig wird diskutiert, Fechten, neben anderen Sportarten, den olympischen Winterspielen zuzuordnen.

Rollstuhlfechten

Fechten wird in Deutschland von Rollstuhlfahrern seit 1962 betrieben. Die Fechter bewegen sich nicht - wie allgemein immer wieder vermutet - mit dem Rollstuhl über die Fechtbahn, sondern sind in "Fechtgestellen" festgeschnallt.

Die Initiative ging von dem Direktor des Berufsförderungswerkes Wildbad, Walter Weiß, aus. Zunächst wurde unter Fechtmeister Richard Heimke mit 12 Teilnehmern nur Säbel trainiert. Im Jahre 1964 kamen Degen und Florett dazu. Seit 1985 wird das Fechten innerhalb des DRS auch von Damen betrieben.

Schon frühzeitig pflegten die deutschen Fechter internationale Sportbegegnungen. Die Olympiade in Tokio 1964 machte den Anfang. Die danach folgenden Weltspiele in Stoke Mandeville und die Paralympics der Behinderten wurden von den deutschen Aktiven mit immer größeren Erfolgen bestritten. Heute zählen die deutschen Rollstuhlfechter zur absoluten Spitze.

Bisheriger sportlicher Höhepunkt waren die Europameisterschaften 1985 in Foggia, bei denen in den Herrenkonkurrenzen 10 von 11 möglichen Goldmedaillen gewonnen werden konnten.

Die Waffengattungen

Sowohl im modernen als auch im klassischen Fechten gibt es drei verschiedene Waffen: Florett, Degen und Säbel. Diese Waffen wurden Ende des 19. Jahrhunderts standardisiert.

Fechtanfänger beginnen üblicherweise mit dem Florett, um die Grundlagen des Fechtens leichter lernen zu können. Aufgrund seines geringen Gewichtes ist das Florett auch gut für Kinder geeignet. In der Vergangenheit war es Frauen nur erlaubt mit dem Florett zu fechten.

Im Schülerbereich wird mit einer sogenannten Miniwaffe gefochten. Diese ist kleiner als die normale Waffe und dadurch besser für Kinder geeignet. In diesem Bereich darf ausschliesslich nur mit der Miniwaffe gefochten werden, wobei im Erwachsenenbereich die Benutzung der Miniwaffe nicht verboten ist.

Florett

 

Manuelles Sportflorett mit Pistolengriff (Orthopädischer Griff)

Duelle mit Stichwaffen endeten oft tödlich. Dies führte dazu, dass sie rasch an Bedeutung verloren und sich dadurch aus dem Leichtschwert bzw. Rapier schon früh das Florett zur Verbesserung der eigenen Fechtkunst entwickelte (Florett kommt vom französischen fleur (Blume): nach der Form des Schutzkörpers, den man auf die Spitze seiner Waffe aufgesetzt hatte, um mit dem Fechtmeister zu üben).

Es besteht aus einer dünnen, biegsamen Klinge (mit Spitze), einer sogenannten Schale/Glocke als Schutz und einem Griff.

Die als Taster wirkende Spitze besteht aus einem stumpfen Kopf und Feder mit Hülse. Die Feder muss bei senkrecht gehaltenem Florett ein Gewicht von mindestens 500 g hochdrücken. Damit soll vermieden werden, dass der Gegner bereits bei leichten Berührungen als getroffen angezeigt wird.

Die Klinge hat einen rechteckigen Querschnitt und wird von der Spitze bis zur Glocke immer dicker und unflexibler. Man unterteilt sie in Klingenstärke, Klingenmitte und Klingenschwäche, was insbesondere den Punkt angibt, wo sie bei einer bestimmten Aktion die gegnerische Klinge berührt.

In der Mitte einer Seite (in der Regel oben) hat die Klinge eine Längsrille, in die eine elektrische Leitung eingeklebt ist.

Die runde und tellerartig geformte, kleine Schale dient zum Schutz und enthält neben einem Polster einen Stecker für den Anschluss des Kabels.

Für den Griff gibt es drei verschiedene Arten:

  • der französische Griff (ein langer glatter Stab)
  • der italienische Griff (ein geraden Griff und einer Parierstange; wird oft als antikes Kreuz bezeichnet)
  • der orthopädische oder Pistolengriff (in verschiedenen an die Hand angepassten Ausführungen)

 

Trefferfläche beim Florett

Das Florett ist eine Stoßwaffe, d.h. Treffer müssen mit der Spitze beim Gegner aufkommen. Wurden ursprünglich nur möglichst gerade Stöße ausgeführt (Arm wird gestreckt, durch Beinbewegungen wie Ausfall oder verschiedene Vorwärtsschritte wird die Distanz endgültig verkleinert), sind im modernen Sportfechten auch hiebähnliche Bewegungen üblich. Diese Bewegungen hat man sich vom Ablauf ähnlich jenen mit einer Peitsche oder Angel vorzustellen, wobei der Taster an der Spitze den Treffer anzeigen muss. Allerdings sind diese Treffer oft umstritten, da als Voraussetzung für das Erlangen des Angriffsrechts eine Bedrohung der Trefferfläche sowie ein gestreckter Arm vorliegen soll (Reglement der FIE), was bei den Peitschentreffern durch die Ausholbewegung nicht gegeben ist. Seit der 2004 verabschiedeten Änderungen im Reglement der FIE sind jedoch sogenannte "Bingos/Coupe" (Peitschenschläge) selten geworden. Erreicht wurde dies durch die Erhöhung der Mindestkontaktzeit zwischen der Florettspitze und der Trefferfläche. Bei "Bingos" ist die Kontaktzeit so kurz, dass sie nicht als Treffer angezeigt wird, traditionelle Stoßarten haben also wieder an Bedeutung gewonnen. René Roch, der diese Änderung durchsetzte, geriet dadurch in heftige Kritik, da man die Änderung häufig als rückschrittlich empfand und viele olympische Sportfechter ihren Fechtstil grundlegend ändern mussten.

Trefffläche beim Florettfechten ist nur der Torso, also der durch die Elektro-Weste gekennzeichnete Oberkörper mit einem V-förmig im Schritt zulaufenden Ende nach unten. Insbesondere Kopf, Arme und Beine sind dadurch ausgenommen.

Beim Florett gibt es im Gegensatz zum Degen keine Doppeltreffer, sondern ein Angriffsrecht. Durch das Angriffsrecht, das Aktivität belohnt, ist das Florettfechten dynamisch, die Gegner ständig in Bewegung und Treffer fallen meist vor Ablauf einer halben Minute.

  

Degen

 

Sportdegen mit französischem Griff

Der Degen ist der Nachfolger des beim Duell verwendeten Degens aus dem 19. Jahrhundert. Er ist stabiler und schwerer und mit einer größeren Glocke als das Florett versehen, da auch die Hand geschützt werden muss.

Der Degen ist wie das Florett eine Stoßwaffe. Das oben zu hiebähnlichen Bewegungen gesagte gilt analog, wenngleich nicht so hoch ausgeholt werden kann, weil sonst der eigene Arm leicht getroffen wird und das Herumbiegen der Klinge schwerer fällt, da diese beim Degen ungleich dicker ausfällt als beim oben beschriebenen Florett.

Trefferfläche beim Degen

Der ganze Körper ist Trefffläche, auch Kopf und Füße. Es gilt die Regel "Jeder Treffer zählt". Dadurch gibt es Doppeltreffer (zwei Treffer innerhalb von 40-50 ms) und deswegen kein bestimmtes Angriffsrecht.

Durch diese natürlichen Regeln wird die Abstammung von einer Duellwaffe betont. Da der gegnerische Arm und insbesondere die Hand von der Entfernung her am nächsten liegt, konzentrieren sich jedoch beim Sportfechten viele Aktionen darauf, die Hand zu treffen bzw. die eigene Hand zu verbergen, was einem Degengefecht ein etwas statisches, mitunter hölzernes Aussehen geben kann.

Die Bestandteile des Degens sind im Wesentlichen die gleichen wie beim Florett. Im Unterschied muss die Degenspitze ein Gewicht von mindestens 750 g hochdrücken.

Die Degenklinge hat einen leicht V-förmigen Querschnitt und ist dadurch relativ steif; sie wird ebenfalls von der Spitze bis zur Glocke immer dicker.

 

Säbel

Der Säbel stammt vom Militärsäbel der Kavallerie des 19. Jahrhunderts ab. Er besitzt eine flache und leichte Klinge.

Trefferfläche beim Säbel

Der Säbel ist eine Hieb- und Stoßwaffe, d.h. Treffer können mit der (stumpfen) Klingenschärfe gesetzt werden. Die Trefferfläche ist der gesamte Oberkörper inkl. Kopf und Armen, wobei allerdings der Schritt im Gegensatz zum Florett ausgeklammert ist, das heißt die Trefffläche horizontal unter dem Bauch endet.

Das Säbelfechten ist in der Regel noch schneller als mit dem Florett. Treffer fallen oft schon nach wenigen Sekunden. Wie beim Florett gilt ein Angriffsrecht. Ungültige Treffer werden nicht angezeigt, so dass z.B. bei einem Treffer auf ein Bein das Gefecht nicht unterbrochen wird.

Der Säbel ist ähnlich aufgebaut wie die obigen beiden Waffen, hat aber keine Spitze mit beweglichem Kopf als Treffersensor, sondern die Klinge läuft in einer Rundbiegung aus. Die Säbelklinge hat einen annähernd rechteckigen Querschnitt, benötigt aber keine eingeklebte Litze, sondern ist als ganze elektrisch leitend, damit gültige Treffer angezeigt werden können.

Die Säbelglocke ist anders geschnitten und eher halbkugelförmig um die Hand nach unten herumgezogen als die tellerartigen Glocken der beiden anderen Waffen.

Für den Säbel gibt es nur eine, dem französischen Griff ähnliche, Griffart.

Analog zum Florett gilt es auch im Säbelfechten das Angriffsrecht zu erlangen, bevor ein Treffer gesetzt wird. Zusätzlich ist es, und das ist von allen Fechtwaffen nur beim Säbel so, kein Kreuzschritt erlaubt. Zu dieser Maßnahme wurde gegriffen, da Säbelgefechte immer schneller wurden und ein vernünftiger Kampfaufbau nicht mehr gewährleistet war.

Schutzkleidung

Die Fechtkleidung, die heutzutage beim Sportfechten getragen wird, dient dem Schutz der Fechter. Sie besteht aus sehr fester Baumwolle, Nylon oder Kevlar. Es gibt folgende Kleidungsstücke, die festen Sicherheitsnormen unterliegen:

  • Fechtmaske mit dichtem Drahtgitter aus V4A-Stahl oder Plexiglas und zusätzlichem Halsschutz; Säbelfechter tragen eine elektrisch leitfähige Maske
  • Fechtjacke mit Fixierung zwischen den Beinen; unterschiedliche Modelle für Links- beziehungsweise Rechtsfechter
  • Unterziehweste ("Plastron") aus stichsicherem Material, um einen zusätzlichen Schutz auf der Waffenseite zu haben
  • Brustschutz für Frauen
  • Fechthose bis über die Knie, gehalten von Hosenträgern
  • (optionaler) Tiefschutz (Suspensorium) für Männer
  • Handschuh mit Handrückenpolsterung zum Schutz gegen Stiche in den Ärmel
  • Kniestrümpfe
  • zusätzlich gibt es für Florett- und Säbelfechter noch eine Elektroweste (kein Schutz, sondern notwendige Ausrüstung zur Trefferbeurteilung).

Nicht nur die Kleidung trägt zur Sicherheit der Fechter bei, sondern auch die Waffen an sich. Die Klingen werden so hergestellt, dass sie beim Abbrechen stumpf brechen. Die abgestumpfte Klinge kann dann kein Material aufbohren oder das Maskengitter auseinander schieben. Vorherrschendes Material ist Maraging, es gibt aber mittlerweile auch eine Reihe anderer ähnlicher Materialien. Klingen die von der FIE zugelassen wurden, tragen das Siegel der FIE. Trotz der Schutzbestimmung kann eine Verletzung nicht ausgeschlossen werden, üblicherweise kommt es jedoch lediglich zu Blutergüssen.

Traditionell ist die Fechtkleidung weiß, um es dem Schiedsrichter zu erleichtern, Treffer zu erkennen. Fechtmeister tragen üblicherweise schwarz. Seit neuem erlauben die offiziellen FIE-Regeln bunte Fechtkleidung.

Die Fechtbahn

Die Planche (fr.) oder Fechtbahn ist die Fläche, auf der sich die Sportler beim Fechtsport bewegen. Bei einem Verlassen der Fechtbahn seitwärts muss der Fechter 2m zurück gehen. Die Bahn ist aus einem Metallgeflecht hergestellt, die verhindern soll, dass das Gefecht unterbrochen werden kann, bzw. beim Degen, dass ein Treffer angezeigt wird. Die Fechtbahn ist für alle Waffen 14 Meter lang und zwischen 1,50 - 2,00 Meter breit. Die Startlinie ist für beide Fechter 2,00m von der Mittellinie entfernt. Die hintere Grenze (bei deren Überschreitung es einen Straftreffer gibt) ist 7m von der Mittellinie bzw. 5m von der jeweiligen Startlinie entfernt. Dahinter sind aus Sicherheitsgründen 2m Auslauf bis zum Bahnende vorgeschrieben.

In den Stoßwaffen Florett und Degen ist es verboten, die Waffenspitze auf der Fechtbahn schleifen zu lassen. Ein Zurechtbiegen der Waffen, so dass diese dabei auf der Metallbahn aufliegen, ist ebenfalls untersagt.

Bis vor kurzem wurden Fechtbahnen aus Kupfer oder Aluminium hergestellt. Diese hatten ein Gewicht von ca. 300kg. Jetzt werden Fechtbahnen aus einem Kunststoff verwendet die mit einem leitenden Garn überzogen sind, diese wiegen nur noch 30kg und lassen sich sehr leicht verlegen, da man sie nicht mehr aufwendig spannen muss, es reicht sie mit Klebeband zu befestigen.

  

Elektrische Trefferanzeige

Die elektrische Trefferanzeige wird bei allen Turnieren und meistens auch im Training verwendet.

Wenn ein Fechter seinen Gegner mit einer bestimmten Kraft trifft, wird ein Kontakt geschlossen (beim Florett allerdings wird er geöffnet, um technisch das Anzeigen von ungültigen Treffern zu ermöglichen), der am Anzeigegerät ein Licht- und Tonsignal auslöst. Wenn beim Florett ein Treffer außerhalb der gültigen Trefferfläche erfolgt, leuchtet ein weißes Licht auf, innerhalb der gültigen Trefferfläche ein rotes oder grünes. Beim Säbel werden ungültige Treffer nicht angezeigt und der Kampf somit auch nicht unterbrochen. Der Obmann beobachtet die Fechter und das Anzeigegerät, um zu entscheiden, wer einen gültigen Treffer gesetzt hat, die Entscheidung über einen gültigen Treffer liegt beim Obmann.

Für die elektrische Trefferanzeige wird eine zusätzliche, elektrisch leitfähige Weste benötigt, auch Elektroweste oder E-Weste genannt: Florettfechter tragen eine Weste, die den gesamten Rumpf bedeckt, bei Säbelfechtern sind der Oberkörper und die Arme bedeckt und die Maske ist ebenfalls elektrisch leitend, bei Degenfechtern ist der gesamte Körper gültige Trefffläche, daher wird keine Elektroweste benötigt. Bei allen Waffenarten ist die Waffe angeschlossen. Die Fechtbahn ist geerdet, um eine ungültige Trefferanzeige zu vermeiden, wenn beim Degen zum Beispiel der Fuß des Gegners getroffen werden soll. Degen und Florett haben einen mechanischen Schalter an der Waffenspitze, der beim Florett mit 500 g bzw. beim Degen mit 750 g gedrückt werden muss, um den Stromkreis zu schließen (bzw. beim Florett, wie oben erklärt, zu öffnen). Beim Säbel reicht eine Berührung mit irgendeinem Teil der Klinge.

Die elektrische Trefferanzeige wurde beim Degen 1936 (?) eingeführt, beim Florett 1957 (?) und beim Säbel 1988 (?).

Seit einiger Zeit entwickeln verschiedene größere Fechtgerätehersteller ein System für kabelloses Fechten. Dabei werden die Fechter mit einem Funksender ausgestattet, der mit dem Gegner und dem Meldegerät kommuniziert. Für die Trefferanzeige sind in die Maske Leuchtdioden eingebaut. Solche Systeme sind bisher nur für Säbel verfügbar. 2001 wurde in Koblenz erstmals kabelloses Fechten bei einer Europameisterschaft eingesetzt.

Das Fechtturnier, Regeln und Aktionen

Generelles

Auf Turnieren werden grundsätzlich zunächst so genannte Setzrunden gefochten, auf die eine Direktausscheidung (KO-System) mit oder ohne Hoffnungslauf folgt. Dabei werden alle Teilnehmer zunächst in Gruppen aufgeteilt, die im Idealfall die gleiche Anzahl von FechterInnen umfassen - andernfalls dürfen einige Gruppen genau 1 Fechter mehr aufweisen. Das Tableau für die Direktausscheidung wird nach den Ergebnissen der Vorrunden gesetzt - bei nationalen Meisterschaften und Weltcups stoßen in diesem Moment auch direkt Qualifizierte zum Wettkampf hinzu. Sowohl vor einem Runden- als auch vor einem Direktausscheidungskampf erfolgt der Aufruf zweier Fechter zu einem Gefecht. Erfolgt der Aufruf, muss man sich beim Kampfrichter (Obmann) melden. Die Erstgenannte steht rechts vom Obmann; Linkshänder stehen immer links vom Obmann, damit der Obmann eine unverdeckte Sicht auf die Waffe und den Waffenarm hat. Siehe hierzu das Bild am Artikelanfang, das einen Links- und einen Rechtsfechter zeigt. Fechten zwei Linkshänder gegeneinander, so gilt für sie das Gleiche wie für zwei Rechtshänder.

Während des Gefechts darf die Bahn nur nach vorheriger Anfrage verlassen werden. Eine Anfrage an den Obmann erfolgt durch Heben des waffenfreien Arms.

Wenn zwei Fechter zum Kampf antreten, grüßen sie sich erst gegenseitig, dann den Kampfrichter und zuletzt das Publikum. Nach dem Kampf ist es üblich, sich die unbehandschuhte Hand zu reichen. Eine fehlende Begrüßung kann zu einer Verwarnung führen.

Altersklassen

Die Wettkämpfe werden in verschiedenen Altersklassen ausgetragen. Die Altersklassen sind in der Sportordnung des DFeB festgelegt http://www.fechten.org/uploads/media/sportordnung.pdf :

  • Schüler (C-Jugend) - 9-11 Jährige
  • B-Jugend - 12-13 Jährige
  • A-Jugend (Kadetten) - 14-16 Jährige
  • Junioren - 17-19 Jährige
  • Aktive (Allgemeine Klasse) - 20 Jährige und älter
  • Senioren - 40 Jährige und älter

Jüngere Fechter, als 9 Jährige, sind laut Sportordnung nicht zugelassen. Zudem wird auf vielen Turnieren die Seniorenklasse noch weiter aufgeteilt:

  • Sonderklasse - 35 bis 39 Jährige
  • Senioren AK 1 - 40 bis 49 Jährige
  • Senioren AK 2 - 50 bis 59 Jährige
  • Senioren AK 3 - 60 bis 69 Jährige
  • Senioren AK 4 - 70 bis 79 Jährige

Einzel

Ein Kampf dauert in der Vorrunde maximal 3 Minuten oder bis einer der Fechter 5 Treffer erzielt hat (im Schülerbereich wird in Rundengefechten auf 4 Treffer gefochten), in den Finalrunden maximal 9 Minuten (mit einminütiger Pause nach jeweils 3 Minuten (im Säbelfechten eine Minute Pause nachdem ein Fechter 8 Treffer gesetzt hat)) oder 15 Treffer. Wenn der Kampf gestoppt wird, z.B. bei einem Treffer oder wenn einer der Fechter seitwärts der Planche steht, wird auch die Uhr gestoppt.

Bei Gleichstand gibt es 1 Minute Verlängerung, wobei vorher ein Treffervorteil ausgelost wird. Falls in der Verlängerung kein Treffer erzielt wird, erhält der Fechter mit dem Treffervorteil den Sieg zugesprochen.

  

Mannschaft

Mannschaften bestehen aus drei Fechtern und optional einem vierten Fechter, der im Verlauf des Mannschaftskampfes eingewechselt werden kann. Der eingewechselte Fechter übernimmt alle Gefechte des Ausgewechselten. Ein Mannschaftskampf kann auf zwei Arten durchgeführt werden:

  • als Einzelkämpfe oder
  • als Stafette

Bei der Durchführung als Einzelkämpfe fechten nacheinander alle drei Fechter der einen Mannschaft gegen alle drei Fechter der anderen Mannschaft. Die Reihenfolge der Gefechte ist durch das Reglement vorgeschrieben. Es ergeben sich so also maximal neun Gefechte, die jeweils nach den Regeln der Einzelgefechte durchgeführt werden. Die Mannschaft mit den meisten gewonnenen Gefechten ist der Sieger. Bei der Durchführung als Stafette fechten die beiden Mannschaften auf 45 Treffer. Auch hier treffen alle drei Fechter der einen auf alle drei Fechter der anderen Mannschaft. Jedoch wird das Ergebnis der vorangegangenen Gefechte übernommen:

  • Im ersten Gefecht wird gefochten bis eine Mannschaft 5 Treffer erreicht hat.
  • Im zweiten Gefecht wird der Stand aus dem ersten Gefecht übernommen und gefochten bis eine Mannschaft 10 Treffer erreicht hat.
  • Im dritten Gefecht wird der Stand aus dem zweiten Gefecht übernommen und gefochten bis eine Mannschaft 15 Treffer erreicht hat.
  • usw.

Auch hier beträgt die Zeit für ein Gefecht drei Minuten. Innerhalb dieser Zeit jedoch kann ein Fechter auch mehr als fünf Treffer setzen: Wenn er z.B. das sechste Gefecht bei einem Stand 11:25 übernimmt, so könnte er innerhalb der Gefechtszeit 19 Treffer setzen und mit 30:25 weitergeben. Gewonnen hat die Mannschaft, die als erste 45 Treffer erreicht hat oder bei Ablauf der Zeit des neunten Gefechts in Führung lag.

Verwarnungen

Durch den Obmann können Verwarnungen ausgesprochen werden:

  • Gelbe Karte = einfache Verwarnung: Verwarnungen werden z.B. erteilt für defektes Material oder Verdecken der Trefffläche mit dem waffenfreien Arm.
  • Rote Karte = Straftreffer: Straftreffer werden z.B. erteilt für Brutalität oder beim Erhalten der zweiten gelben Karte.
  • Schwarze Karte = Ausschluss vom Turnier/Disqualifikation z.B. durch Manipulation an der Waffe, oftmals auch bei Beschimpfung des Kampfrichters oder des Gegners.

Angriffsrecht

Das Angriffsrecht beim Florett und beim Säbel bedeutet, dass der zuerst Angreifende Treffervorrecht hat. Ein Angriff ist definiert als eine unmittelbare Bedrohung, die vor der des Gegners beginnt und mit dem Strecken des Armes verbunden ist (Bedrohung der gültigen gegnerischen Trefferfläche!). Man darf sich jedoch nicht zu Beginn eines Gefechtsabschnittes mit gestrecktem Arm aufstellen (Linie). Sobald der Arm angezogen wird (die Waffe zeigt nicht mehr auf die gültige Trefffläche), ist der Angriff beendet und das Recht zu einem gültigen Angriff geht auf den Gegner über. Bei gleichzeitigen Treffern beider Seiten zählt keiner der Treffer (da niemand das Angriffsrecht besaß).

Anders ausgedrückt: Wenn man angegriffen wird, muss man sich zuerst verteidigen, bevor man einen regelkonformen Gegenangriff durchführen kann. Tut man dies nicht und führt selbst einen Angriff durch ohne sich verteidigt zu haben, gilt man bei einem annähernd gleichzeitigen Treffer als getroffen und der eigenen Treffer wird nicht gewertet. Der Treffer eines nur "mitstoßenden" Fechters gilt also als nicht gefallen. Dies ist das Grundprinzip in den konventionellen Fechtdisziplinen: "Treffen ohne getroffen zu werden".

Man darf dennoch versuchen den Angreifer zu treffen ohne sich zuvor gegen seinen Angriff verteidigt zu haben. Setzt man dabei einen einzelnen, eigenen Treffer, ist dieser gültig. Der "mitstoßende" Fechter nimmt hierbei die Trefferpriorität des Angreifers bei einem doppelten Treffer in Kauf. Meist wird dies durch Meidbewegungen erreicht (die gültige Trefferfläche wird dem dabei entzogen). Ziel ist es, dass der Gegner ins Leere stößt und man ihn selbst dabei trifft.

Eine Abwehr des Angriffs mit der Klinge (Parade) bewirkt einen Übergang des Angriffrechts und gibt so dem gerade Abwehrenden die Möglichkeit zu einem Gegenangriff (Riposte).

Ein Beispiel: Der erste Fechter greift an, der zweite Fechter führt ebenfalls einen Angriff durch und beide Fechter treffen gültig. Nun erhält der erste Fechter den Punkt, da er das Angriffsrecht im entscheidenden Augenblick besaß. Gegenbeispiel: Die Aktion beginnt wie oben beschrieben, nun wehrt jedoch der zweite Fechter mit einer Parade den Angriff des ersten ab - es hat sich also das Angriffsrecht umgekehrt und der erste Fechter muss sich nun seinerseits verteidigen - und es bekommt der zweite Fechter den Punkt.

Beim Florett und Säbel muss der Obmann entscheiden, wer das Angriffsrecht hatte und somit den Punkt erhält. Falls der Obmann keine Entscheidung treffen kann, werden die Treffer für nichtig erklärt und der Kampf wird fortgeführt.

Im Degen gibt es kein Angriffsrecht: Wer zuerst trifft, dessen Treffer zählt. Treffen beide innerhalb von 40 Millisekunden werden beide Treffer gewertet. Nach dieser Zeit zeigt der Melder keine weiteren Treffer mehr an.

Aktionen

  • gerader Stoß
  • Ausfall
  • Battuta (Klingenschlag)
  • Bindung (Druck auf die gegnerische Klingenschwäche mit der eigenen Klingenstärke)
  • Sperrstoß (Stoß in den gegnerischen Angriff)
  • Filo (Gleiten an der gegnerischen Klinge entlang)
  • Cavation (Umgehung)
  • Bingo/Coupe (Peitschenartiger Schlag, bei dem die Spitze zuerst auftrifft)
  • Flèche (franz. Pfeil, Geschoss), auch Sturzangriff bzw. Laufangriff, ist ein besonders schnell vorgetragener Angriff, bei dem sich der Angreifende mit gestreckt gehaltenem Arm blitzartig nach vorne wirft. Technisch ist die Besonderheit, dass der Vorgang des Abstoßens beim Flèche mit dem vorderen Bein als Standbein erfolgt, worauf das Gewicht nach vorne verlagert wird. Dadurch kann auch der Eindruck des "sich (nach vorne) fallen lassens" entstehen. Diese Bewegung wird jedoch durch das ebenfalls nach vorne geschwungene Bein (Schwungbein) aufgefangen, was zu einem, durch die Schwerkraft unterstützten, sehr schnellen, ersten Schritt führt. Diesem ersten Schritt folgt u.U. ein kurzer Sprint von wenigen Schritten, bis der Gegner in Reichweite der Waffe ist. Sind zu viele Schritte nötig, ist die Besonderheit dieses Angriffsstils aufgehoben und der Flèche eher einem Laufen gewichen. Im Englischen heißt es fleche, deutlich zu unterscheiden von dem allgemeineren Flash.

Treffflächen

Je nach Einladung (Auslage) werden unterschiedliche Blößen für den Gegner geöffnet

Die Fechtstellung

Die Fechtstellung ist die zweckmäßigste Ausgangs- und Endstellung aller Bewegungen auf der Fechtbahn. Sie gewährleistet günstigste Bedingungen für alle Bewegungen und wird durch folgende Kriterien charakterisiert: - Stellung der Füße im Verhältnis zur Gefechtslinie - Lage des Körperschwerpunktes - Drehung der Schulter und des Beckens im Verhältnis zur Gefechtsebene. Dabei steht der vordere Fuß 1 1/2 bis 2 Fußlängen im rechten Winkel vor dem hinteren Fuß. Der Körperschwerpunkt ist senkrecht über der Stützfläche. Hauptstützpunkt sind die Fußballen, die sich auf einer gedachten Linie befinden. Die Drehung der Schulter und des Beckens beträgt etwa 25 Grad im Verhältnis zur Gefechtsebene. Abweichungen von dieser Fechtstellung sind bei erfolgreichen Fechtern meist taktisch begründet, oftmals aber auch anatomisch oder physiologisch bedingt und werden nicht als fehlerhaft beurteilt. So wird z.B. von BULOTSCHKO (1967) die Stellung des hinteren Beines im rechten Winkel zum Zentrum des hinteren Beines als für die besten Fechter charakteristisch bezeichnet. Die Lage des Schwerpunktes ist vom Abstand der Füße in der Fechtstellung, der Beugung der Beine in den Fuß-, Hüft- und Kniegelenken und der Neigung des Oberkörpers abhängig. Als typische Varianten sind neben der gekennzeichneten Stellung die hohe-enge und tiefe-weite Fechtstellung zu nennen. Eine Verlagerung des Körperschwerpunktes nach vorn ist möglich. Die Fechtstellung ist kein festes Element, sondern erforderlich für schnelle und lockere Bewegungen.

Organisation

Internationaler Dachverband ist seit 1913 die Fédération Internationale d'Escrime (FIE). Die nationalen Sportverbände sind der Deutsche Fechter-Bund, der Österreichische Fechtverband sowie die Fédération Suisse d'Escrime. Ausbildungsorganisation für Fechtmeister ist in Deutschland die Akademie der Fechtkunst Deutschlands ADFD.

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